Bei einer Auktion in Wien konnten wir für unser Archiv sechs Briefe von Arnold Schönberg an den dänischen Dirigenten und Komponisten Paul von Klenau aus den Jahren 1923 und 1924 erwerben.
Paul von Klenau (1883–1946) gründete 1920 in Kopenhagen die Dänische Philharmonische Gesellschaft, um moderne Musik zu fördern. Als erster musikalischer Leiter der Gesellschaft brachte er 1921 mehrere Werke von Arnold Schönberg zur Aufführung, darunter »Pelleas und Melisande« op. 5, »Verklärte Nacht« op. 4 und »Pierrot lunaire« op. 21. 1922 nahm Klenau Kontakt zu Schönberg auf und lud ihn ein, seine Erste Kammersymphonie op. 9 in Kopenhagen zu dirigieren. Das Konzert fand im Januar 1923 statt und beinhaltete zusätzlich vier Lieder aus Schönbergs Opus 6 sowie dessen Kammerorchester-Bearbeitung des »Lieds der Waldtaube« aus den »Gurre-Liedern«.
Parallel zu seinen Aktivitäten in Kopenhagen wurde Klenau 1922 von der Wiener Konzerthausgesellschaft als Dirigent engagiert. Von 1924 bis 1930 bekleidete er dort die Position des Konzertdirektors. In dieser Zeit setzte er sich gemeinsam mit Hugo Botstiber, dem Generalsekretär der Gesellschaft, für zeitgenössische Musik ein. Unter Klenaus Leitung wurden 1923 und 1929 Schönbergs »Gurre-Lieder« mit großem Erfolg aufgeführt.
Im Zentrum der Neuerwerbungen steht ein Brief Schönbergs vom 3. November 1923, der sich auf Klenaus Dirigate der »Gurre-Lieder« im Wiener Konzerthaus (31. Oktober, 1. und 2. November) bezieht. Schönberg bedankt sich in überschwänglichen Worten für einen – seine Kunst tief empfindenden und würdigenden – Brief, den ihm Klenau nach einer der Aufführungen zukommen ließ.
Lieber verehrter Herr von Klenau, ich danke Ihnen herzlichst für Ihren so lieben Brief. Alles was Sie sagen, habe ich gleich in Traunkirchen gefühlt, als wir das Werk durchsprachen. Und alle Berichte meiner Freunde über die Aufführung sagen das Eine: »Es war musicirt.« Aus dem hätte ich das Gefühlte schon entnommen. Und nun kommt noch Ihr lieber Brief und sagt es in so überaus warmer und freundschaftlicher Weise, dass meine Freude dadurch noch vervielfacht wird. Ich danke Ihnen auch dafür sehr! Gerne hätte ich – zu einer anderen Zeit – Ihre Aufführung gehört. Diesmal bin ich gerne zuhause geblieben. Ich hätte es kaum können, dieses Werk gerade jetzt an[zu]hören. Ich höre, dass Sie leider schon heute fortfahren, aber ich hoffe, Sie kommen bald wieder. Ich gedenke dringend womöglich nach Wien zu übersiedeln und dann hoffe ich, Sie öfter zu sehen.
Viele allerherzlichste Grüße und wärmsten Dank für Ihr Ihre wahrhaft freundschaftlichen Worte. Ihr Arnold Schönberg
Der Komponist entzog sich den Aufführungen aufgrund eines Trauerfalls: seine Frau Mathilde war am 18. Oktober 1923 nach längerem schweren Leiden im Alter von 46 Jahren verstorben. Ihr Begräbnis fand eine Woche vor der Aufführungsserie statt. Die Konfrontation mit einem Werk, das mit mannigfaltigen Erinnerungen an die Verstorbene verknüpft war, konnte Schönberg (noch) nicht auf sich nehmen.

