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Zu kurzem Aufenthalt ist Professor Arnold Schönberg, der heute abend um 19.30 Uhr im mittleren Konzerthaussaal als Gast des Kulturbundes über »Stil und Gedanke oder neue und veraltete Musik« sprechen wird, in Wien eingetroffen. »Mein Vortrag wird eine rein prinzipielle Erörterung sein«, mein Schönberg, »ich vermeide es grundsätzlich, mich mit bestimmten Persönlichkeiten polemisch oder zustimmend zu beschäftigen.« Trotzdem ist Schönberg auch als Professor der Berliner Akademie der Künste, wo er eine Meisterklasse für Komposition leitet, und als Komponist von internationalem Namen der Polemiker seiner Kampfjahre geblieben. »So gern ich auch nach Wien gekommen bin«, sagt er, »habe ich dennoch nicht die Empfindung, hier jemals wirkliche Resonanz gefunden zu haben. Wenn ich jetzt ab und zu auf dem Programm der Philharmoniker figuriere, so ändert das nichts an der Tatsache, daß ich allzu lange für die Philharmoniker überhaupt nicht vorhanden war. Felix Weingartner hat sich immer als mein überzeugter Gegner erwiesen. Franz Schalk hat zwar Verständnis und Interesse für meine Musik gezeigt, ohne jedoch in Wien etwas Wesentliches für sie tun zu können. Einen von der »Ravag« veranstalteten Schönberg-Abend habe ich gerne zur Kenntnis genommen. Eine ständige Wirksamkeit in Wien? Sie kommt heute, da ich an Berlin gebunden bin, für mich nicht mehr in Frage. Als Marx noch Rektor der Akademie war, hat er mich einmal gefragt, ob ich einen Lehrauftrag annehmen würde. Obwohl ich Zeit für meine eigenen Arbeiten benötige, interessiert mich doch die Lehrtätigkeit so sehr, daß ich – ohne mich um die finanzielle Seite der Angelegenheit zu kümmern – halb und halb ja sagte. Doch war dann nie wieder davon die Rede. Die Aufführung von »Pierrot lunaire« an der Wiener Akademie und verschiedene Wiener Konzerte, in denen eine Reihe meiner Werke meisterha[f]t interpretiert wurde, hat mir freilich viel Freude bereitet Auch weiß ich, daß ich in Wien treue Freunde habe. Ich nenne nur beispielsweise Alban Berg. Aber meine Freunde sind ebenso wie ich zu keiner Konzession bereit und eignen sich daher kaum zur Propaganda und Werbung für eine bestimmte künstlerische Richtung. Uebrigens bin ich mir selbstverständlich im klaren darüber, daß sich in allen Ländern nur verhältnismäßig kleine Menschengruppen zu meiner Musik bekennen. Eine besondrs herzliche Resonanz meines Schaffens habe ich kürzlich in London empfunden. Auch in Berlin, Frankfurt a. M. und Prag – um auf gut Glück einige Namen zu nennen – hatte ich die Empfindung, mir einen großen Freundeskreis geschaffen zu haben. Ein längerer Aufenthalt in Barcelona war für meine kompositorische Tätigkeit sehr ergiebig. An meinem Kontrapunktlehrbuch und an dem Oratorium »Die Jakobsleiter« habe ich die Arbeit vorläufig unterbrochen. Dagegen hat mich meine Oper »Moses und Aron«, zu der ich auch das Textbuch selbst geschrieben habe, in letzter Zeit intensiv beschäftigt. In Berlin wartet schon wieder eine Fülle an Arbeit auf mich.«

Neue Freie Presse (15. Februar 1933), Nr. 24579, p. 7