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28. September 2008 - 18. Januar 2009

        

                 

Ausstellungsbroschüre (pdf)

Das künstlerische Schaffen von August Strindberg, Arnold Schönberg und Edvard Munch erschließt Weiten und Abgründe der menschlichen Seele; es erzählt von psychischen Extremzuständen, von Einsamkeit, Ängsten und Todesvisionen, verbunden mit fantastischen Erscheinungen etwa von Geistern und Vampiren. Aus »innerer Notwendigkeit« schufen die drei Avantgardisten ihre Kunst, indem sie »die Natur ungefähr nachahmten, vor allem aber ihre Art des Schaffens imitierten« (Strindberg), »sich unmittelbar ausdrückten« (Schönberg), »um zu experimentieren, zu entwickeln und zu verbessern« (Munch). Sie mißtrauen der oberflächlichen Wahrnehmung und richten ihre Blicke nach innen, um die immateriellen Werte der subjektiv erlebten Welt zu erfassen. 

Erstmals ist eine repräsentative Anzahl an bildnerischen Meisterwerken August Strindbergs in Österreich zu sehen, jenem Land, das er einmal als seine »Heimat, selbst mehr als Schweden!« bezeichnete; wo Edvard Munch nach 1900 mehrmals ausstellte und Arnold Schönberg, beeindruckt von den Bildern Munchs und den Schriften Strindbergs, komponierte und malte. Hier erhielt Strindberg nicht nur Inspiration für Dramen sondern auch für seine bedeutendsten Landschaftsgemälde. Die Präsentation seines bildnerischen Werks steht im Zentrum der Ausstellung und verweist auf die geistige und ästhetische Nähe zu den Komponisten der Wiener Moderne. Strindbergs (Seelen-)Landschaftsmalerei weist Ähnlichkeiten zur Bildkunst Schönbergs auf; seine Wolkenstudien finden ein Pendant in Schönbergs Kriegs-Wolken Tagebuch. Edvard Munchs Kunstschaffen läßt über ästhetische Bezüge zu den Bildern Schönbergs hinaus Affinitäten zum intellektuellen Raum des Wien um 1900 erkennen. Schönbergs Blicke erinnern an Munchs Angst, Das Geschrei, Die Verzweiflung, ein Bühnenbildentwurf zur Glücklichen Hand an Munchs Vampir, die Personengruppen in Begräbnis von Gustav Mahler an Munchs Todeskampf, während seine Darstellungen von Bäumen zwischen jenen Munchs und Strindbergs (Die Allee) zu stehen scheinen.

Neben der Bildebene beleuchtet die Ausstellung Strindberg, Schönberg, Munch die Beschäftigung Schönbergs und seines Kreises mit der nordischen literarischen Avantgarde. Bühnenwerke der Wiener Schule sind mit Strindbergs Dramen inhaltlich und formal verwandt. In wiederkehrenden Motiven zum Wesen des Weiblichen und zum Verhältnis der Geschlechter fand Strindberg auf dichterischem Wege einen radikalen Zugang zum – wie es sein Freund Stanisław Przybyszewski nannte – »psychischen Naturalismus«, den Schönberg in seinen Monodramen Erwartung (Libretto: Marie Pappenheim) und Die glückliche Hand ähnlich für sich entdeckte. Die religiöse, oft ins Okkulte und Theosophische gehende Ausrichtung der Strindberg-Welt findet sich in Schönbergs Werken wieder, etwa im Oratorium Die Jakobsleiter, während Alban Berg mehrere Kompositionen nach Strindberg-Vorlagen plant und Anton Webern sich in seinem Bühnenstück Tot mit dem Werk des schwedischen Mystikers, Theologen und Wissenschaftlers Emanuel Swedenborg auseinandersetzt.

Die Polarisierung zwischen einem objektiven, wissenschaftlich- exakten und einem mystisch-irrationalen, subjektiven Weltbild durchzieht das Denken der nordischen Avantgarde wie der Wiener Moderne gleichermaßen.

Die Ausstellung verfolgt das Ziel, Verwandtschaften zwischen den künstlerischen Ausdrucksformen Musik, Malerei und Dichtung herauszufiltern und den intellektuellen Bezügen der beiden einflussreichen Kulturkreise in Wien und Nordeuropa um 1900 auf die Spur zu kommen.

@ Christian Meyer, Arnold Schönberg Center